Daimon Verlag

Sprung ins Unbekannte
von
Gitta Mallasz

Leseprobe

VIELE NAMEN FÜR EINES

Bevor ich erzähle, was ich in der Gegenwart der Engel erlebt habe, möchte ich wieder einmal kurz erhellen, was ich unter dem Wort "Engel" verstehe.

Je nach Bewußtheitsgrad, Kultur und Ausprägung des Erkennens wurde diese geistige Kraft von den Menschen immer wieder anders und mit sehr verschiedenen Namen benannt:

In Japan: Kami ...

im Hinduismus: Deva ...

im alten Iran: Fravarti oder Daéna ...

im antiken Griechenland: Genios

oder Daimon bei Sokrates.

Die hebräische Tradition spricht vom Malach,

die christliche vom Angelos oder Engel

und heute bringen wir ihn mit den Begriffen des Selbst

oder des Unbewußten im weiten Sinne in Verbindung.

All diese Bezeichnungen sind unwichtig.

Wesentlich aber ist, wie diese Kraft in uns wirkt.

Hilft sie uns,

unserer selbst und unserer Erdenaufgabe bewußter zu werden...

unsere Selbständigkeit - selbst ihr gegenüber - zu finden ...

uns vom Haften an der Vergangenheit und von der Furcht vor der Zukunft zu befreien ... im "Hier und Jetzt" der Gegenwart zu leben ...

in Lebensfreude immer neue Entdeckungen zu kosten ...

uns nicht nur als Geschöpf, sondern ebenso auch als Schöpfer zu erleben ...

für uns selbst und für unsere Umwelt verantwortlich zu werden...

dann ist es eine Liebeskraft,

die zu uns spricht,

dann ist es unsere Hälfte im Licht,

und wir ihre dichtere Hälfte auf Erden.

WER KANN DEN FRÜHLING FASSEN ?

Was zeigt mir an, daß ich meinem Engel wirklich begegnet bin und mich nicht in einer Illusion darüber wiege?

Bei mir war es so:

Auf einmal ist die unumstößliche Sicherheit da: "Ich werde geliebt".

Ja, ich werde geliebt und da ändert sich alles: der Erfolg, das Mißlingen, die Krankheit, das Leben und der Tod ... alles wird anders. Wir sind eingehüllt in eine unsagbar zarte und dennoch machtvoll strenge Liebe ... seit jeher, jetzt und immerdar.

Ich habe diese göttliche Liebe erlebt, aber zu Beginn war es recht anders, als man sich im allgemeinen "himmlische Ekstasen" vorstellt. Ich erzählte schon einmal in etwas anderem Zusammenhang von meiner ersten Erkenntnis, daß ich beachtet und begleitet werde.

In London, im Claridge, war ich beauftragt, einen exklusiv-mondänen Ball unter dem Patronat der Königin Mary im Stil "Old-Budapest" zu dekorieren. Vor mir die Tageszeitungen. Ich verschlinge das Lob, das meinen Dekorationen zugebilligt wird. Glückwünsche. Dann noch ein schmeichelhafter Heiratsantrag ... und ich bin vor Eitelkeit wie ein Luftballon aufgeblasen.

Fünf Minuten vor der Eröffnung trägt ein Arbeiter den letzten Stützbalken hinaus ... eine ungeschickte Bewegung, und er stößt gegen mein Auge, das augenblicklich stark anschwillt.

Ich komme mir vor wie ein seines Erfolges sicherer Boxchampion, der plötzlich, von einer unbekannten Kraft niedergeworfen, knocked-out und halbblind auf dem Boden liegt. Da aber öffnet sich plötzlich ein inneres Auge und ein ironischer Blick läßt mich meine lächerliche Eitelkeit sehen.

In diesem Moment wird mir zum ersten Mal deutlich die beglückende innere Gewissheit zuteil: "Ich werde begleitet, ich werde beobachtet ... Man läßt mich nicht allein ... Man korrigiert mich ... ja, ich werde geliebt!"

Wer aber stand hinter diesem unbekannten und doch so bekannten "Man"? Eine für mich damals undefinierbare Wesenheit, die ich dennoch an ihrer übermenschlich hehren Gerechtigkeit "erkannte".

Als ich dem Engel zehn Jahre später gegenüberstand, war es dieselbe Kraft, die mir damals "brutal" und dennoch von glühender Liebe erfüllt die Augen geöffnet hatte. Die Liebe des Engels ist wahrlich "himmelweit" von unseren lau hin und her schwankenden romantischen Gefühlen entfernt.

Die menschliche Psychologie macht uns der vergangenen Wunden des Nicht-Geliebtseins bewußt, der Wunden, die wir meist schon in zarter Kindheit erhielten.

Die göttliche Psychologie macht uns hingegen des Wunders des ständigen Geliebtseins bewußt.

Die von den Menschen erwartete und nicht erhaltene Liebe schlägt Wunden.

Die unerwartete Liebesgabe des Engels kann diese alten Wunden vollkommen heilen.

"Ich werde geliebt" ist das Wunder der Heilung. Darauf folgt das "Ich liebe", als natürliche Konsequenz dieses überfließenden Liebeswunders.

BIST DU WUNDER - SO BIST DU BLUME. (107)

Solange mein "Ich liebe" aber persönlich gebunden und kontrolliert ist, gleiche ich einem Trichter, in den die göttliche Liebe einfließt, jedoch "ich-gefiltert" nur tropfenweise weiterrieseln kann.

Wenn ich mich hingegen im Lieben vergesse, so gleiche ich einem Trichter, durch den die göttliche Liebe ungetrübt von aller "Ich-Färbung" sich frei dorthin ergießt, wo Lieblosigkeit Wunden schlägt.

Der Mensch, der zum "ich-entleerten" Trichter wurde, sieht dann eines Tages das Frühlingswunder: Alles um ihn herum, Menschen, Tiere, Pflanzen, Arbeit, soziale Beziehungen, Familie ... alles beginnt neu aufzuleben.

DAS WUNDER SCHEINT IN DER BLUME:

NICHT IN DIR SEI DAS WUNDER -

SONDERN DURCH DICH.

DU BIST NICHT BLUME - DU BIST FRÜHLING. (107)

Geliebt ... bin ich das sichtbare Wunder in der Blume.

Liebend ... bin ich der unsichtbare Frühling, der alles erblühen läßt.

UND WER KANN DEN FRÜHLING FASSEN? (107)

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