Daimon Verlag

Harmonie im Widerspruch
von
Hayao Kawai

Kapitel 1

Kapitel I - Die verbotene Kammer

Was wollen uns eigentlich Märchen erzählen? Für viele Leute gelten sie als wirklichkeitsfremd und wertlos. Doch in letzter Zeit ist ein Interesse für Märchen zu verzeichnen, und sie erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit. Die Märchenforschung ist vom Standpunkt der Volkskunde, der Literatur oder der Religionswissenschaft her möglich. In diesem Buch soll versucht werden, in den japanischen Volksmärchen die Seele der Japaner zu erkennen. Deshalb werden sie hier vom Standpunkt der Tiefenpsychologie her betrachtet. Das steigende Interesse für die Volksmärchen zeigt das bewußte oder unbewußte Verlangen der Japaner, ihre eigene Identität wiederzufinden, die in den Wellen der Modernisierung zu verschwinden droht. Aber ist es überhaupt möglich, die Kultur eines Volkes aus Märchen zu erschließen? Als Verfasser dieses Buches will ich zuerst die Stoßkraft der Märchen auf mich wirken lassen und theoretische Fragen der Methodik vorübergehend dahinstellen. Das überzeugt mehr als abstrakte Argumente. Ich wähle als erstes eine Geschichte, in der die Eigenart der japanischen Märchen meines Erachtens gut zum Ausdruck kommt: "Das Land der japanischen Nachtigall".

1. Das Land der japanischen Nachtigall

Dies ist sowohl eine schöne wie auch rührende Geschichte. Aus vielen Versionen heraus wähle ich die Fassung aus der Präfektur Iwate: Ein junger Holzfäller entdeckt im Wald ein prächtiges Haus, das er noch nie gesehen und von dem er noch nie gehört hatte. Dort trifft er eine schöne Frau an. Er wird von ihr gebeten, während ihrer Abwesenheit das Haus zu hüten. Er willigt ein, muß jedoch versprechen, nicht in die anderen Zimmer hineinzublicken. Ein Verbot weckt aber die Neugier. Unwillkürlich verletzt der Mann das Verbot und dringt in die Zimmer ein. Sie sind alle sehr schön ausgestattet. Im siebten Zimmer findet er in einem Nest drei Eier. Er nimmt sie in die Hand, läßt sie aber aus Versehen fallen. Als die Frau zurückkehrt, beginnt sie bitterlich zu weinen und macht ihm Vorwürfe. Sie verwandelt sich in eine Nachtigall und mit dem Ruf "Ho Ho Ho Kekkyo, ich vermisse meine Töchter" fliegt sie davon. Die Geschichte endet damit, daß der Mann verwirrt auf der verlassenen Lichtung steht. Über seine Empfindungen wird nichts berichtet, was in Märchen ja nicht üblich ist.

Was ist da auf der Lichtung in diesem Wald geschehen? Der Holzfäller hat diesen Ort wohl schon gekannt. Aber eines Tages findet er dort etwas Unvermutetes. Wir meinen, daß wir die Wirklichkeit völlig kennen. Aber unverhofft erleben wir sie als etwas ganz anderes. Eine uns gewohnte Landschaft kann uns als ein strahlendes Wesen vorkommen oder als ein bedrohlicher Abgrund erscheinen. Oder ein Mensch, von dem wir meinten, daß er schön sei, kann uns häßlich erscheinen und unter Umständen wie ein böser Dämon aussehen. Die Wirklichkeit ist unendlich vielschichtig. Im gewohnten Leben erscheint sie aber einheitlich als eine einzige Schicht, die uns nicht bedroht. Dennoch kommt es vor, daß die tiefen Schichten die obere Schicht durchbrechen und in Erscheinung treten. Märchen erzählen reichlich von dieser wirklichen Erfahrung. Dieses Haus, das plötzlich dasteht, die schöne Frau, die dort lebt, sind ein eindrückliches Beispiel dafür. Märchenfiguren, die sich verirren oder die von ihren Eltern ausgesetzt werden, machen oft außergewöhnliche Erfahrungen.

Die Tatsache, daß die Wirklichkeit als vielschichtig wahrgenommen werden kann, zeigt, daß auch die Bewußtseinsstruktur vielschichtig ist. Die Schicht, die zu einer gewissen Zeit bewußt machen kann, was bisher unbewußt war, kann als das Unbewußte bezeichnet werden. Die Seele ist somit vielschichtig und schließt sowohl das Bewußtsein als auch das Unbewußte ein. Die Tiefenpsychologie geht von dieser Voraussetzung aus und versucht, die Tiefenstruktur der menschlichen Seele deutlich zu machen. Märchen erzählen von verschiedenen Schichten und machen deshalb die Tiefenstruktur der Seele sichtbar. Am Beispiel von "Das Land der japanischen Nachtigall" heißt das: Das ungewöhnliche Haus, die schöne Frau darin, die verbotenen Zimmer - das alles bringt die Tiefenstruktur der Seele in Erscheinung. Die verbotene Kammer stellt im wahrsten Sinne die verborgene Tiefe der Seele dar, die nicht ohne weiteres gesehen werden kann.

"Das Land der japanischen Nachtigall" hat viele Versionen. Versucht man, ein ihnen gemeinsames Schema herauszufinden, läßt sich Interessantes feststellen. In der Tabelle 1 (S. 10) wird das ersichtlich. Die Geschichten von 1-13 haben folgendes gemeinsam: 1) Die Hauptfigur trifft eine junge Frau. 2) Er blickt in die verbotene Kammer. 3) Die Frau verschwindet voller Gram. 4) Der Mann ist allein wie zuvor. (Einzig in Nummer 10 wird der Mann ein Greis.)

Ein Mann kommt aus einem gewohnten Raum und trifft eine schöne Frau in einem ungewöhnlichen Raum: Diese Art Geschichten gibt es in der ganzen Welt. Ein Beispiel dafür ist "Schwanensee". Darin sieht der im Wald verirrte Prinz einen Schwan, der sich in eine schöne Frau verwandelt, und sein Herz wird gerührt. Dieser gewohnte und ungewohnte Raum entspricht dem Bewußtsein und dem Unbewußten in der Seele. Anders gesagt: Im Unbewußten eines Mannes ist das Bild einer außergewöhnlichen Frau vorhanden. Die Begegnung mit ihr ist nicht nur eine persönliche Erfahrung, sondern ist ein derart universales Ereignis, daß es von vielen Menschen in der Welt überliefert wird. Das Vorhandensein einer solchen allgemeingültigen Erscheinung deutet an, daß in der Tiefe des menschlichen Unbewußten eine allen Menschen gemeinsame Schicht vorhanden ist. C. G. Jung nennt sie das kollektive Unbewußte. Es treten aber je nach Kultur und Gesellschaft spezielle Veränderungen auf. Märchen haben sowohl einen allgemeingültigen Charakter als auch eine Gemeinsamkeit mit dem speziellen Charakter der betreffenden Kultur. In diesem Buch wird vor allem der Zusammenhang der japanischen Märchen mit der für Japan typischen Kultur untersucht.

Was sind die kulturellen Merkmale in "Das Land der japanischen Nachtigall"? Da ist einmal die Nachtigall selber. Dieser Vogel wird von alters her vom japanischen Volk geliebt. Sie wird als der Vogel verehrt, der den Frühling ankündigt. In der ältesten Gedichtsammlung, "Man-nyô-shû" aus dem 8. Jh., wird sie in Gedichten besungen. Als ein Symbol des Frühlings spielt sie dann im 10. Jh. in der "Kokinshû"-Sammlung eine auffallende Rolle. In deren Prolog steht das Gedicht: "Wer die Nachtigall in den Blüten singen hört und die Stimmen der Frösche im Wasser - wer ließe sich da nicht hinreißen, ein Gedicht zu machen?" Das zeigt deutlich, wie sehr die Nachtigall die Schönheitsvorstellung der Japaner wiedergibt. Es ist geradezu natürlich, daß dieser Vogel, der den Frühling und die Schönheit versinnbildlicht, mit der Vorstellung einer schönen Jungfrau in Zusammenhang steht. Das erklärt das Auftreten der "Nachtigallprinzessin" in mittelalterlichen Erzählungen. Das Bild von der schönen Jungfrau, die im Land der japanischen Nachtigall lebt, ist in der Seele der Japaner von alters her stark verankert.

Was ist geschehen, als sich der Mann und die Frau im außergewöhnlichen Raum trafen? Skizze 1 stellt die Beziehung der beiden graphisch dar. Der Ort, aus dem der Holzfäller kommt, entspricht der gewohnten Welt, zu der auch die Berge und Felder gehören. Das unbekannte Haus, das er erblickte, kann als eine Zwischenzone bezeichnet werden. Die "verbotene Kammer" gehört zweifellos in die außergewöhnliche Welt. Auf die Struktur der Seele bezogen, entspricht die gewohnte Welt dem Bewußtsein und die außergewöhnliche Welt dem Unbewußten. Der Mann und die Frau treffen sich in der Zwischenzone. Aber es kommt sofort zu einer Trennung. Die Frau geht in die Stadt und der Mann betritt die verbotene Kammer. Als sie sich noch einmal treffen, ist die Katastrophe schon geschehen. Jeder der beiden geht wieder in die eigene Welt zurück. Das sind wie zwei sich bewegende Kometen, die eine Parabel beschreiben und nach zwei flüchtigen Begegnungen auf ewig auseinandergehen. Die Geschichten Nummer 3, 5, 10, 14, 18 haben außerdem das Thema der Heirat, die aber vorübergehend ist. In den Geschichten 3, 5 und 10 macht die Frau alsbald einen Heiratsantrag. Vermutlich sind diese Geschichten älter, wie das auch bei der älteren Version von "Urashimatarô" der Fall ist. (Das wird in Kapitel V behandelt.) In der Geschichte 10 wird der Mann zuletzt ein Greis. Das will sagen, daß die Zeit in der gewöhnlichen und der ungewöhnlichen Welt anders verläuft.

In den meisten Geschichten mit einer Heirat erfolgt aber eine unglückliche Trennung. Einzig Nummer 18 ist eine Ausnahme. Aber in ihr wird das Verbot vom Mann aufgestellt und von der Frau gebrochen, sie ist somit keine reine "Verbotene Kammer"-Geschichte. Auf alle Fälle kann gesagt werden, daß der Mann und die Frau je eine Parabel beschreiben, die sich zweimal überschneiden. Die Trennung ist geradezu vorbestimmt.

Was geschieht, wenn das Verbot nicht gebrochen wird? Wird dann eine glückliche Heirat zu erwarten sein? Es gibt eine Version, in welcher der Mann das Versprechen hält. Aber es ist eine Geschichte von einem alten Mann, und somit ist das Thema der Heirat ausgeschlossen. Ein Beispiel von dieser Art aus der Präfektur Aomori lautet wie folgt: In einem Bergdorf lebten zwei alte Männer. Der eine war gut und der andere böse. Der gute alte Mann trifft eine schöne junge Dame auf dem Berg und wird herzlich empfangen. Sie will in die Stadt einkaufen gehen und bittet den alten Mann, das Haus zu hüten, aber von den zwölf Zimmern das Zimmer "Februar" nicht zu sehen. Als die Frau zurückkommt, sieht sie, daß er das Versprechen gehalten hat und schenkt ihm einen Spachtel, der alle nur gewünschten Speisen hervorbringen kann. Mit seiner Frau zusammen erfreut er sich der feinen Gerichte, die der Spachtel macht. Der geizige alte Mann von nebenan wird neidisch und geht ebenfalls die schöne Dame in den Bergen besuchen. Er hält aber das Verbot nicht und blickt ins Februarzimmer. Eine Nachtigall fliegt davon, und er ist allein im weiten Feld.

Geschichten dieser Art sind nicht so häufig wie die andere Gruppe. Wahrscheinlich sind sie später entstanden, weil sie versuchen, ein gutes Ende herbeizuführen. Sie sind buddhistisch beeinflußt. Ein Hinweis dafür kann die Wendung sein, welche die Stimme der Nachtigall "Hokekyô" wiedergibt. Das ist auch das Wort für "Lotoslehre". Auf alle Fälle gelingt es nicht, eine glückliche Heirat herbeizuführen. In den japanischen Märchen ist die Tendenz stark, eine Heirat zu umgehen. Die Trennung von der Frau ist in jedem Fall unumgänglich. Auch wenn der Mann vielleicht noch etwas mitbekommt wie diesen Spachtel - das Schicksal der Frau, ausgeschlossen zu sein, scheint festzustehen.

2. Der Unterschied in den Kulturen

Gibt es außerhalb Japan Geschichten, die ähnlich sind wie "Das Land der japanischen Nachtigall"? Es kommt dabei darauf an, welche Motive man betonen will. Westliche Geschichten, die vom "Guten und schlechten Mädchen" erzählen, sind ähnlich wie diejenigen vom alten Mann und dem Spachtel. Das Grimms-Märchen "Marienkind" hat ebenfalls das Motiv der verbotenen Kammer, zeigt aber einen ganz anderen Verlauf als das entsprechende japanische Märchen. Obwohl das Motiv der "verbotenen Kammer" einen allgemeinen Charakter hat, kommt in dessen Behandlung der Unterschied in den Kulturen zum Ausdruck. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man das japanische Märchen mit Grimms "Der treue Johannes" und einem Märchen aus Zypern ("Der Mann mit drei Augen") vergleicht.

In Tabelle 2 (S. 16) werden sieben Märchen aus anderen Kulturen, in denen das Motiv der "verbotenen Kammer" vorkommt, miteinander verglichen. Der Unterschied ist offensichtlich. In den Geschichten außerhalb Japan ist die Person, die verbietet, in einer überlegenen Stellung. Es ist der Ehemann, der Vater, der König, Maria, eine Zauberin. Die Person, der etwas verboten wird, hat eine untergebene Stellung: Die Ehefrau, der Sohn oder die Tochter, das Kind oder ein Diener. In Japan ist jedoch die Person, die verbietet, fast ausschließlich eine Frau. Nur in Geschichte 18 sind die Rollen von Mann und Frau umgekehrt. Das mag als ein Versuch gelten, ein glückliches Ende herbeizuführen.

In Tabelle 3 wird der Ort verglichen, für den in anderen Kulturen das Verbot gilt. Der Vater erteilt das Verbot im Elternhaus, das zum gewohnten Raum gehört. Der Ehemann erteilt es für einen Raum in seinem eigenen Haus, was aber für die Ehefrau ein ungewohnter Raum ist. Dieser Ort kann als ein Ort dazwischen angesehen werden. Das Hexenhaus oder das Himmelreich können als eine außergewöhnliche Welt gelten. Die Hexe oder Maria sind übermenschliche Wesen. Wird die gewohnte Welt auf das Bewußtsein, der Ort dazwischen auf die Zwischenschicht und die außergewöhnliche Welt auf das Unbewußte bezogen, so zeigt sich ein Modell für die Struktur der westlichen Seele.

Die japanische Geschichte befolgt andere Regeln. Es ist nicht eindeutig, wer das Verbot in der gewohnten und der ungewohnten Welt erteilt. In der Zwischenzone ist es aber eindeutig eine Frau. Sie ist ein Wesen, das auch den gewohnten Raum betreten kann, da sie ja in die Stadt einkaufen geht. Die Unterschiede werden noch deutlicher, wenn der Ablauf der Geschichte verglichen wird. Keigo Seki weist darauf hin, daß in japanischen Märchen die Person, die das Verbot aufstellt, unglücklicher wird als diejenige, die es bricht. Die Person, die gegen das Tabu verstößt, wird nicht bestraft. Aber die Person, gegen die das Tabu verletzt wird, geht betrübt weg. In westlichen Geschichten wird die Person, die das Tabu übertritt, jedoch bestraft. Erst nachher wendet sich ihr Geschick zum Guten. Der Motivindex von Thompson weist verschiedene Arten von Strafen auf. Aber einen Posten für "straflos" gibt es nicht. Eine indirekte Strafe kann höchstens darin gesehen werden, daß die Hauptperson mit leeren Händen ausgeht. In Geschichte 5 schickt die Frau den Mann weg, und in Geschichte 16 stirbt der Priester im Schneesturm - das hat eher die Bedeutung von Vergeltung als von Strafe. In Geschichte 17 wird die Frau, die das Verbot verletzt, ein Huhn. Aber diese Geschichte handelt von zwei Frauen, hat also ein anderes Schema.

Die wesentlichen Unterschiede in den westlichen und japanischen Märchen, die sich in der Zwischenzone abspielen, sind in Tabelle 4 zusammengestellt (S. 16). In Japan wird in dieser Zwischenzone im verbotenen Zimmer die Schönheit der Natur dargestellt. Es ist eine Frühlingslandschaft mit Nachtigallen und Pflaumenblüten oder das Heranwachsen von Reispflanzen. Im Westen sind in diesem verbotenen Raum Leichen oder der Ehemann, der Leichen ißt. Im Westen kommt man beim Übertreten ums Leben. In "Blaubart" sind es ehemalige Frauen, in "Räuberbräutigam" sind es zwei ältere Schwestern. Demgegenüber gibt es in Japan keine solche Strafe. Auch das endgültige Resultat weist Unterschiede auf: In Japan steht der Mann verlassen da wie vorher, und die Frau geht enttäuscht weg. Im Westen kommt ein anderer Mann der Frau zu Hilfe. Das ist je nachdem der Bruder, der Vater oder ein König. Der fürchterliche Mann wird durch einen starken Mann beseitigt. Als Schluß erfolgt meistens eine glückliche Heirat. Eine Ausnahme ist die Geschichte aus Kroatien.

In japanischen Märchen ist ein glückliches Ende mit einer Heirat relativ selten. Was ist der Grund für diesen Unterschied? Einen Hinweis dafür kann eine Episode vom russischen Märchenforscher Kiril Tchistov geben. Er las das bekannte Märchen "Urashimatarô" seinem Enkel vor. Bei der Beschreibung von der Schönheit des Drachenpalasts zeigte der Enkel überhaupt kein Interesse und schien etwas anderes zu erwarten. Auf die Frage, woran er denke, antwortete dieser: "Wann kämpft er denn mit dem?" Er erwartete, daß Urashimatarô mit dem Drachenkönig kämpft. Ein Kind in Rußland versteht offenbar nicht, warum der Held nicht mit dem Drachen kämpft und am Ende die Tochter des Drachenkönig nicht heiratet. Der deutsche Märchenforscher Röhrich kommt zum Schluß, daß in Japan "gerade diese Verbindung" abgebrochen wird und somit das Thema der Heirat eher selten ist. Im Gegensatz dazu erzählen europäische Märchen, wie der Held die Jungfrau zum Beispiel vom Zauber oder Unglück befreit und sie heiratet.

Als eine Begründung dafür wird gern der starke Einfluß des Konfuzianismus angegeben. Auch wenn es ursprünglich das Thema der Heirat gab, wurde es später, als man Kindern die Märchen erzählte, aus sittlichen Gründen weggelassen. Aber diese Begründung ist nicht eindeutig, weil es viele Märchen mit Tagedieben und Schelmen gibt, die auch nicht der Moral entsprechen, aber trotzdem vorhanden sind. Es muß einen noch tieferen Grund für das Weglassen der Heirat geben. Er liegt in einem Bereich, der von der Kultur her bestimmt ist. Obwohl die Seele der Menschen im Ganzen gesehen nicht verschieden ist, gibt es doch in der äußeren Bewußtseinsstruktur Unterschiede. Daraus entstehen die Unterschiede einer Persönlichkeit oder einer Kultur. Menschen fassen die Dinge durch das Bewußtsein auf. Kommt ein Bewußtseinsinhalt in einer Geschichte zur Darstellung, ist es natürlich, daß je nach der Art des Bewußtseins im Ausdrücken einer Vorstellung Unterschiede entstehen, obwohl es in der Tiefe des Unbewußten aller Menschen eine allgemeingültige Schicht gibt.

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